Start in die Imkersaison 2026
Vorletzte Woche, als sich endlich wieder die Sonne zeigte und ein paar milde Tage angekündigt waren, ist unsere Imkersaison 2026 gestartet. Nachdem es hier eine Zeit lang ruhig war, wollten wir uns mit einem kurzen Lebenszeichen zurückmelden: Die Bienen fliegen wieder – und wenn alles gut läuft, wird es auch in diesem Jahr wieder köstlichen Honig geben.

Winterpause in der Imkerei: Weniger Arbeit, große Verantwortung
Der Winter gilt in der Imkerei oft als die ruhigste Zeit des Jahres – zumindest nach außen hin. Tatsächlich beschränken sich die Eingriffe auf ein Minimum. Unsere Völker werden in dieser Phase bewusst nicht gestört. Nur einmal öffnen wir die Beuten für die letzte Behandlung gegen die Varroamilbe, meist im Rahmen der sogenannten Restentmilbung mit Oxalsäure.
Ansonsten bleiben die Kästen geschlossen. Das hat einen guten Grund: Im Inneren läuft ein fein abgestimmter Prozess ab, der über das Überleben des gesamten Volkes entscheidet.
Wie Bienen den Winter überstehen
Während wir uns bei niedrigen Temperaturen in dicke Kleidung hüllen, sind die Bienen vollständig auf ihre Gemeinschaft angewiesen. Sie bilden eine sogenannte Wintertraube – ein faszinierendes Verhalten, bei dem sich tausende Bienen eng aneinanderdrängen.
- Die äußeren Bienen wirken wie eine isolierende Schutzschicht
- Im Inneren der Traube wird aktiv Wärme erzeugt
- Durch Muskelbewegungen (Flügelschlag ohne Fliegen) entsteht Energie
- Die Temperatur im Kern kann dabei auf etwa 20–25 °C gehalten werden
In regelmäßigen Abständen wechseln die Bienen ihre Positionen, sodass keine dauerhaft auskühlt. Dieses rotierende System sorgt dafür, dass das Volk selbst längere Kälteperioden übersteht.
Glühwein hat vermutlich noch kein Imker getestet – auch wenn der Gedanke im Winter durchaus naheliegt.
Ein Rückschlag: Verlust eines Bienenvolkes
Leider brachte dieser Winter auch eine weniger erfreuliche Nachricht mit sich. Zum ersten Mal haben wir ein Volk verloren, das offenbar zu schwach war, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Bereits bei der Oxalsäure-Behandlung fiel uns auf, dass dieses Volk deutlich schwächer war als die anderen. Auffällig war außerdem, dass unter den verendeten Bienen keine Königin mehr vorhanden war. Ohne sie kann kein Nachwuchs erzeugt werden – und ohne ausreichend sogenannte Winterbienen fehlt die nötige Masse, um die Temperatur im Stock stabil zu halten.
Die Varroabelastung war insgesamt bei allen Völkern vergleichsweise gering, sodass sie als alleinige Ursache eher unwahrscheinlich ist. Wahrscheinlicher ist, dass das Volk bereits vor dem Winter in eine kritische Situation geraten ist.
Im Nachhinein bleibt vieles Spekulation. Klar ist aber: Solche Erfahrungen gehören zur Imkerei dazu – und helfen uns, im kommenden Jahr noch genauer hinzusehen.
Der erste Eindruck im Frühling
Mit den ersten wärmeren Tagen – rund 15 °C – zeigte sich schnell: Die meisten Völker sind gut durch den Winter gekommen. Schon beim ersten Öffnen war deutlich zu sehen, dass viele Bienen unterwegs sind.
Ein besonders schönes Zeichen: Die ersten Sammlerinnen kehren bereits mit Pollenhöschen zurück. Damit ist klar, dass die Brut wieder aufgenommen wurde und das Volk wächst.

Woher kommt der erste Pollen?
Vor Ort konnten wir noch nicht viele blühende Pflanzen entdecken. Daher bleibt die genaue Herkunft des Pollens ein kleines Rätsel.
Mögliche Kandidaten sind:
- Frühblühende Weiden (eine der wichtigsten ersten Nahrungsquellen)
- Haselnuss (Corylus avellana)
- Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)
Schlehen (Prunus spinosa), die sonst zahlreich vertreten sind, waren bei unserem Besuch noch nicht in Blüte. Auch die kräftig orangefarbenen Pollenhöschen passen nicht ganz zu Krokussen, die man mitunter in der Blüte sieht. Letztlich zeigt sich hier einmal mehr: Bienen finden ihre Quellen – auch wenn wir sie nicht immer direkt erkennen.
Wichtig ist vor allem: Es wird wieder geflogen, und es wird wieder Nektar und Pollen eingetragen.
Volksstärke und Futterversorgung im Frühjahr
Im vergangenen Jahr haben wir unsere Völker bewusst gut eingefüttert. Das hatte zur Folge, dass im Herbst noch viel Futter in den Bruträumen vorhanden war und gleichzeitig eine hohe Bienenmasse erhalten blieb.
Mit etwas Respekt vor dem Winter haben wir die meisten Völker daher auf 8 bis 9 Rähmchen überwintern lassen – eher am oberen Ende dessen, was üblich ist.
Ergebnis nach dem ersten Öffnen
Die Sorge hat sich nicht bestätigt:
- 6 von 7 Völkern sind sehr stark aus dem Winter gekommen
- Viele Völker haben bereits wieder Brut angesetzt
- Die Bienenmasse ist beeindruckend hoch

Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir dennoch etwa 2 kg Futter pro Volk nachgelegt. Gerade im März kann es bei starkem Brutbeginn schnell zu Engpässen kommen, wenn die Vorräte unerwartet schnell verbraucht werden.
Auch wenn diese Maßnahme möglicherweise nicht zwingend notwendig gewesen wäre, hat sich das vorsorgliche Nachfüttern im Frühjahr für uns bewährt. Deshalb bleiben wir bei dieser Vorgehensweise.
Fazit: Ein vielversprechender Start ins Bienenjahr
Abgesehen vom Verlust eines Volkes zeigt sich der Start in die Saison 2026 sehr positiv. Starke Völker, erste Polleneinträge und steigende Temperaturen stimmen optimistisch.
Jetzt beginnt die spannende Phase: Wachstum, Schwarmzeit und die ersten Trachten stehen bevor. Wir freuen uns darauf, euch hier (hoffentlich) wieder regelmäßig mitzunehmen und Einblicke in das Bienenjahr zu geben.

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